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TU Berlin

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Demographischer Wandel und Naturschutz

Projektdaten
Projekttitel:
Demographischer Wandel und Naturschutz
Förderung:
Bundesamt für Naturschutz (BfN)
FKZ: 3508 80 2700
Laufzeit:
01.09.2008 – 30.04.2009
Bearbeitung:
Dr. Bernd Demuth
Dipl.-Ing. Maria Moorfeld
Projektleitung:
Prof. Dr. Stefan Heiland

Beschreibung und Ergebnisse

Der demografische Wandel ist in Deutschland durch Alterung, zunehmenden Bevölkerungsrückgang und ethnisch-kulturelle Heterogenisierung geprägt – das Schlagwort „Weniger, älter, bunter“ bringt dies auf den Punkt. Es stellt sich die Frage, auf welche Weise und in welchem Umfang solche Entwicklungen auch die Belange des Naturschutzes positiv oder negativ betreffen, welche Herausforderungen sich hierdurch ergeben und mit Hilfe welcher Strategien und Maßnahmen diese bewältigt werden können. Hierauf Antworten zu finden, war Ziel von drei Expertenworkshops, die sich den Schwerpunktthemen „Naturschutzpolitische Folgewirkungen“, „Städtischer Raum“ und „Ländlicher Raum“ widmeten. Darüber hinaus erfolgte eine ergänzende Literaturauswertung, wobei einschränkend zu vermerken ist, dass empirische Untersuchungen zu den Zusammenhängen zwischen Naturschutz und demografischem Wandel bislang fehlen – ein Defizit das im Rahmen des Vorhabens nicht behoben werden konnte.

Generell ist zu beachten, dass der demografische Wandel erstens kein deutschlandweit einheitlich ablaufender Prozess, sondern regional sehr unterschiedlich, auch gegenläufig ausgeprägt ist, so dass Aussagen zum Verhältnis zwischen demografischem Wandel und Naturschutz stets auf ihre regionale Gültigkeit überprüft werden müssen. Zweitens ist er nur ein Einfluss unter vielen, die auf individuelle und gesellschaftliche Handlungsweisen, auf politische Entscheidungen sowie auf Natur und Landschaft wirken. Insofern kann er nicht isoliert betrachtet werden und ist daher stets im Kontext weiterer Faktoren zu sehen.

Im ersten Workshop „Naturschutzpolitische Folgewirkungen“ wurden mögliche Auswirkungen des demografischen Wandels auf das vorherrschende Naturverständnis und Umweltbewusstsein der Bevölkerung sowie auf Naturschutzverbände und Naturschutzverwaltungen diskutiert. Über Auswirkungen des demografischen Wandels auf Wertevorstellungen, das Umweltbewusstsein der Bevölkerung und damit auf den gesellschaftlich-politischen Stellenwert des Naturschutzes sowie auf politische Entscheidungen (insbesondere hinsichtlich der personellen Ausstattung der Umwelt- und Naturschutzverwaltungen) fehlen bislang gesicherte Erkenntnisse. Für die Naturschutzverbände, die auf eine breite Mitgliederbasis angewiesen sind, ist der demografische Wandel, insbesondere in Regionen mit starkem Bevölkerungsrückgang, jedoch ein wichtiger zu berücksichtigender Faktor, der allerdings durch ein generell verändertes Verhältnis zum Ehrenamt überlagert wird. Dies ist auch für die Naturschutzverwaltungen von Bedeutung, da hierdurch sowohl lokalspezifische Kenntnisse als auch politische Lobbyarbeit zunehmend wegfallen. Dies trifft sie umso mehr, als sie bereits heute überdurchschnittlich von Personalabbau und Einsparungen der öffentlichen Hand betroffen sind.

Die wesentlichste naturschutzrelevante Auswirkung des demografischen Wandels auf den städtischen Raum in schrumpfenden Regionen dürfte die Entstehung von Brachflächen sein. Diese bieten die Möglichkeit, unterschiedlichste Ziele des Naturschutzes zu verwirklichen – sei es durch die Verbesserung des Wohnumfeldes und des städtischen Klimas, für Erholungszwecke oder durch die Sicherung bzw. Neuschaffung von Lebensräumen für Tier- und Pflanzenarten. Eine Verbesserung des Wohnumfeldes kann die Attraktivität der Städte als Wohnort sichern und hierdurch indirekt auch zur Verminderung von Suburbanisierung und damit weiterer Flächeninanspruchnahme beitragen. Der Schutz von Arten und deren Lebensräumen kann dabei vielfach „en passant“ erreicht werden, sollte aber, nicht zuletzt aus Akzeptanzgründen, nicht im Vordergrund stehen. Vielmehr sollte verstärkt auf Synergien mit anderen Interessen gesetzt werden. Für Strategien zur „naturschutzgerechten“ Nutzung von Brachflächen existieren bislang keine allgemein gültigen „Rezepte“, vielmehr scheint jeder Einzelfall eine individuelle Vorgehensweise zu erfordern.

In ländlichen Räumen ist nach derzeitigem Kenntnisstand nur mit geringen Auswirkungen des demografischen Wandels auf Natur und Landschaft zu rechnen, denn Land- und Forstwirtschaft als die prägenden Landnutzungen werden nicht von demografischen Veränderungen, sondern von (agrar- und energie-)politischen bzw. ökonomischen Rahmenbedingungen bestimmt. Ein Leitbild „großflächige Wildnis“ erscheint daher auch vor dem Hintergrund des demografischen Wandels im ländlichen Raum als wenig realistische Option. Erste Beispiele aus der kommunalen Planungspraxis deuten allerdings auf eine geringere Neuausweisung oder gar Rücknahme geplanter Baugebiete und damit auf einen geringeren Anstieg der Freiflächeninanspruchnahme in Kommunen mit Bevölkerungsrückgang hin.

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Publikationen

Moorfeld, M., Demuth, B. (2011): Der Einfluss des demografischen Wandels auf das Mensch-Naturschutz-Verhältnis und den ehrenamtlichen Naturschutz. In: Naturschutz u. Landschaftsplanung

Moorfeld, M., Demuth, B., Heiland, S. (2010): Demografischer Wandel und Naturschutz. In: Natur und Landschaft 85 (10): 478-482. Bonn-Bad Godesberg.

Demuth, B., Moorfeld, M., Heiland, S. (2010): Demografischer Wandel und Naturschutz. Naturschutz und Biologische Vielfalt. Heft 88. Bonn-Bad Godesberg

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